Working Capital Management - Schlüssel zur Liquidität im Autohaus

Die meisten Unternehmensinsolvenzen, auch im Automobilbereich, werden nicht wegen zu geringer Rentabilität angemeldet, sondern weil es schlichtweg an Liquidität mangelt, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund ist die Sicherstellung von kurzfristiger und langfristiger Liquidität eine wichtige Aufgabe des Managements. Ein entscheidender Baustein zur Sicherstellung der Liquidität ist das Working Capital Management (WCM). Hierbei sind die Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb von zu hohem und niedrigem Working Capital unterschiedlich, aber nicht minder gravierend.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Working Capital Management in Ihrem Autohaus gemacht? Sehen Sie in der kapitalintensiven Automobilbranche auch eher die Gefahr von zu hohem Working Capital?

Zu hohes Working Capital in einzelnen Bereichen, beispielsweise zu hoher Lagerbestand, bindet Kapital und verringert somit die Liquidität. Dies kann sich negativ auf die Bonität bei Kreditgebern auswirken. Möglich sind auch negative Ratings durch Banken aufgrund der geringen Verfügbarkeit von eigenen liquiden Mitteln durch bestandsgebundenes Kapital und langsamen Zahlungskreislauf hinsichtlich der Forderungen und Verbindlichkeiten. Darüber hinaus besteht die Gefahr in nicht vorhersehbaren Situationen in denen Liquidität benötigt wird, schneller in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten.

Zu niedriges Working Capital hat hingegen keine negativen Auswirkungen auf die Kapitalbindung. Zu niedriger Lagerbestand birgt die Gefahr von begrenztem Handlungsspielraum im Verkauf und limitiert die Verfügbarkeit von Waren und kann somit das Sortiment einschränken. Zudem kann der Umsatz durch zu wenig verfügbare Fahrzeuge, Teile und Zubehör gefährdet werden.

In der Autohauspraxis ist das Working Capital, aus unserer Erfahrung, eher zu hoch als zu niedrig. Dies ergibt sich hauptsächlich aus der hohen Kapitalbindung durch den Lagerbestand an Neu- und Gebrauchtwagen. 

Daher sollte im Geschäftsbetrieb regelmäßig hinterfragt werden, ob eine tiefere Analyse des Working Capitals notwendig ist. Hierfür eignet sich die Abfrage der folgenden Checkliste:

  • Durchschnittlich > 7 Tage zwischen Auftragserledigung und Zahlungseingang
  • Häufige Stornierungen von Aufträgen
  • Hohe Forderungsausfälle in allen Bereichen des Autohauses
  • Starkes Anwachsen an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Vergleich zur Umsatzentwicklung
  • Hohe Bestände, vor allem im Fahrzeugbestand, entlang der Wertschöpfungskette
  • Unübersichtliche Bestandsverantwortung, Bereichsverantwortliche haben keine Bestandsverantwortung
  • Kein Working-Capital-Reporting

Bereits ein Kreuz sollte eine detaillierte Prüfung des Working Capital Managements nach sich ziehen.

Eine Verbesserung des Working Capitals durch Anpassung an das optimale Volumen hat direkten Einfluss auf die Liquidität des Autohauses. Durch Optimierung des Forderungs-, Kreditoren- und Bestandsmanagements werden, im Falle von zu hohem Working Capital, Mittel frei, die den zeitpunktbezogenen Geldsaldo deutlich verbessern. Maßnahmen wären hier beispielsweise im Kreditorenmanagement das Nachverhandeln von Zahlungsbedingungen oder die konsequente Nutzung von Skonto.

In weiterer Konsequenz schafft die Reduzierung des Working Capitals damit die Basis für die Vergrößerung der Unabhängigkeit des Autohauses, da das Finanzierungsvolumen aus dem Unternehmensvermögen gewährleistet ist. Gleichzeitig wird das Geschäftsergebnis durch den Abbau von Verschwendung verbessert und somit die Außenfinanzierung erleichtert. Darüber hinaus ist das WCM auch ein entscheidener Faktor, um das Autohaus für die indirekte Verschärfung der Vorschriften durch Basel III vorzubereiten und fortlaufend die gestellten Anforderungen hinsichtlich Kapitaldeckung und Liquidität zu erfüllen.

Zusammenfassend sollten folgende Ziele im Working Capital Management im Autohaus verfolgt werden:

  • Die nachhaltige Balance im Working Capital zwischen Verfügbarkeit von Waren und Wirtschaftlichkeit
  • Die Freisetzung von Liquidität für strategische Investitionen und Zukäufe
  • Die Erhöhung der Rentabilität
  • Die Optimierung der Geschäftsprozesse durch Identifizierung der „Liquiditäts-Fresser“
  • Die langfristige Sicherung und Optimierung der Liquidität

Teilen Sie uns gerne mit, welche Ziele Sie vorrangig im WCM verfolgen und wie Sie Ihre Liquiditätsziele erreichen. In welchem Umfang haben Sie Maßnahmen initiiert, um Ihr Autohaus an die gesteigerten Anforderungen durch Basel III vorzubereiten?

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