Dringlichkeit vs. Management

„Wettbewerb ist mehr und mehr eine Frage richtiger Beherrschbarkeit von Zeit. Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen.“

Eberhard von Kuenheim, 1970-93 Vorstandsvorsitzender, 1993-99 Aufsichtsratsvorsitzender BMW AG

 

Top-Manager sind naturgemäß darin bestrebt Unternehmen auf der Grundlage eines stabilen Geschäftes kontinuierlich zu entwickeln. Im Fokus ihrer Aktivitäten stehen mittel- bis langfristige Planungen und deren Umsetzungen.

Sie sind daran gewöhnt, Unsicherheiten bis zu einem gewissen Grad erfolgreich zu handhaben. Als Spezialisten der Kontinuität fällt es den meisten schwer, unerwartete und risikobehaftete Notsituationen unter extremem Zeitdruck erfolgreich zu bewältigen.

Zudem sind derartige Situationen oft selbst auf Managementfehler zurückzuführen und können in allen Funktionen eines Unternehmens auftreten. Einzugestehen, dass man nicht das Richtige gemacht hat, fällt Managern besonders schwer.

Wenn wenig Zeit bleibt, um das Risiko zu bewältigen, ist überstürzte Hast nicht gefragt. Sie kann aus einer dringlichen Lage eine echte Unternehmenskrise machen! Daher sind geeignete Managementmethoden und -fähigkeiten erforderlich.

Vorbilder sind Organisationen, deren Kerngeschäft die Bewältigung von Notsituationen unter extremem Zeitdruck ist. Als Beispiel können Non-Governmental Organisations (NGOs), Medien oder die Feuerwehr erwähnt werden. Sie alle sind für den Notfall gut vorbereitet und besitzen eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit, die zum einen auf spezifische Prozesse und Strukturen, und zum anderen auf die Fähigkeiten des Managements selbst zurückzuführen ist.

Diese Organisationen haben für dringliche Lagen klar definierte Prozesse, deren Handhabung auf einem spezifischen Führungsstil beruht, der sich deutlich vom klassischen Management unterscheidet. Ein effektives Management der Dringlichkeit ist durch schnelle Entscheidungen, klare und direkte Anweisungen und die rasche Umsetzung von gut vorbereiteten Aktionsplänen gekennzeichnet.

In klassischen Unternehmen sind die eingesetzten Mitarbeiter i.d.R. nicht darauf vorbereitet, in Notlagen zu arbeiten. Hier liegt die große Herausforderung für das Management, das für die Handhabung der Dringlichkeit verantwortlich ist.

Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll werden, in derartigen Situationen erfahrene und spezialisierte Manager einzusetzen und ihre Aufgaben klar vom restlichen Management zu trennen. Diese können, falls verfügbar, aus dem bestehenden Management-Pool des Unternehmens kommen, oder extern und befristet als Interim-Manager eingesetzt werden.

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